Die Taverne

Das Terzo Mondo besteht seit dem 9. Dezember 1972.

Das ein griechisches Restaurant einen italienischen bzw. lateinischen Namen hat, ist eher ungewöhnlich. Terzo Mondo = Dritte Welt

Es war die Zeit der übereilten Abrisse von schönen Häusern, um dann die „moderne“ Architektur zu produzieren. Bei uns wirkte sich das in einen Umzug zur heutigen Adresse aus, Eröffnung am 7. Februar 1974. In der Grolmanstraße sind wir nun 40 Jahre. Eine der ältesten griechischen Restaurants in Berlin, liebevoll von uns „Kneipe“ genannt.

Das Terzo Mondo ist Berliner Filmfestspielkneipe. Treffpunkt der unkonventionellen Filmemacher und der Menschen die mit ihnen arbeiten.

Nicht die übliche Sitzordnung (4-6 Leute = 1 Tisch) um die Kommunikation zu fördern. Ideal für größere Gruppierungen aller Nationen.

Wir verstehen uns nicht nur als Restaurant, sondern als Kommunikationszentrum mit griechischer Küche. Die Küche ist griechisch rustikal und wohlschmeckend, bezahlbar, begleitet von guten griechischen Weinen und Live Musik vom Chef persönlich, vom Sohn des Chefs, vom Gast des Chefs, vom Freund des Sohnes des Chefs oder auch gar dessen Freund…

in den Worten von Peter Braune (Kiezbeirat City West)

Kostas Papanastasiou. Ein waschechter Achtundsechziger in den Augen vieler seiner Stammgäste im Restaurant Terzo Mondo in der Grolmanstraße 28 im Charlottenburger Kiez. Stimmt aber nicht! Bereits Ende der Fünfziger Jahre hat er als Schauspielschüler und Architekturstudent in Berlin mit Freunden die „Griechische Gemeinde e. V.“ gegründet, Hilfe suchenden griechischen Gastarbeitern Anträge ausgefüllt, Benimmregeln vermittelt und mit ihnen politisiert, gefeiert, getanzt und gesungen.

Als sich 1967 die Obristen unter Papadopoulos an die Macht in Griechenland putschten, organisierte Kostas Papanastasiou von Berlin aus den Widerstand mit der Gruppe „Patriotische Front“, die sich als ein Sammelbecken sozialistischer Kämpfer verstand und an verschiedenen Orten Europas arbeitete. Ein Jahr später lernte er Mikis Theodorakis kennen, der als revolutionärer Komponist auch der Patriotischen Front angehörte. Eine Welle der Empörung aus aller Welt, zu der Kostas von Berlin aus mit vielen Veranstaltungen beitrug, führte zur Entlassung von Mikis Theodorakis aus dem Gefängnis und Mitte 1974 zum Sturz des Diktators.

Das Terzo Mondo hat er Ende 1972 eröffnet. Die damals aktuellen Auseinandersetzungen um den Nato-Doppelbeschluss und um Antiatomkampf-Strategien fanden im Terzo Mondo keinen Widerhall. Umso mehr wurde in seinem Restaurant Kleinarbeit geleistet.

Wer heute das Restaurant betritt, sieht Kostas bald im Gespräch mit Menschen aus verschiedenen Ländern, die hier in Deutschland und in ihren Heimatländern ungerecht behandelt wurden. Er schreibt wieder Anträge auf Aufenthaltserlaubnis, macht Eingaben oder organisiert Hilfstransporte nach Georgien. Viele junge bildende Künstler können in seiner kleinen abgetrennten Galerie zum ersten Mal kostenlos ihre Werke ausstellen, Sängerinnen und Vortragende können die Bühne und Musik-Anlage für Auftritte und Proben nutzen.

Im Terzo Mondo fanden in den 70er Jahren viele Künstler, die aus politischen Gründen die DDR verließen, eine Anlaufstelle, in der sie ohne ideologische Verbiegungen Vertrauen in ihre eigene Arbeit auch im „anderen deutschen Staat“ wieder fanden und erste Auftritte wagten. Hier sind Thomas Brasch, Klaus Schlesinger, Sarah Kirsch, Pannack und Kunert und Katharina Thalbach zu nennen.

Daneben entwickelte sich das Terzo Mondo zu einer Institution für Hilfe suchende Ausländerinnen und Ausländer oder hier lebende Randgruppen, Obdachlose und Behinderte oder erwachsene und jugendliche Analphabeten. Es hatte eine Wirksamkeit, um die es von vielen staatlichen und halbstaatlichen Beratungsstellen für Menschen in Not oder Menschen im Aufbruch beneidet wurde und noch heute beneidet wird.

Wenn es nachts im Terzo Mondo so richtig brummt, greift Kostas Papanastasiou zur Gitarre und singt. Rauchig der Klang seiner Stimme, aus dem Bauch heraus die Melodien, der Text mit seelischem Gehalt dargeboten, so dass jeder, ohne griechisch zu verstehen, weiß, worüber dieser Mann singt: Von Freiheit, Gerechtigkeit und Liebe. Niemals aber über Hass, heroisches Blutvergießen oder über politisches Gerangel. Seine Vorgaben sind Texte von Janis Ritsus oder Odysseus Elytis, Dichtungen der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller Griechenlands. Sein Freund Mikis Theodorakis hat sie vertont.

Zu Ehren des 80. Geburtstages von Theodorakis sang Kostas Papanastasiou Ende November 2005 im ausverkauften Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie. Er sang mit dem langen Atem eines weise gewordenen Mannes. Das Publikum dankte es ihm am gleichen Ort mit stehenden Ovationen und mit noch mehr Andrang bei seinem Auftritt 2006: „50 Jahre Kostas in Berlin“, einer Liebeserklärung an unsere Stadt. In der Philharmonie auch nahm er 2008 an einer Würdigung Pablo Nerudas, des Dichters, teil. 2009 würdigte er dort den griechischen Dichter Jannis Ritsos durch Rezitationen zu dessen 100 jährigem Geburtstag. Einen „schlauen Gastwirt“ spielte Kostas Papanastasiou im Sommer letzten Jahres im Berliner Brecht-Theater 2010 in der „Inselkomödie – Lysistrata und die Nato“ von Rolf Hochhut.